Das BIWAQ Projekt aus Sicht des Guten Hirt

Fast drei Jahre ist es her, da konnten wir vier langzeitarbeitslosen Menschen zumindest für drei Jahre eine Perspektive im Guten Hirt bieten. Möglich wurde das durch die Mittel des BIWAQ Projektes, das aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und aus Bundesmitteln gefördert wurde. An dem BIWAQ-Projekt waren in Hildesheim noch andere Einrichtungen und die Stadt Hildesheim beteiligt, so dass die Vier Teil einer insgesamt 20-köpfigen Teilnehmergruppe waren. Sicher, für diese Vier war es eine weitere Maßnahme nach zum Teil schon vielen anderen. Aber es war ein sozialversichungspflichtiger Arbeitsplatz und eine Perspektive für drei Jahre. Die ständige Frage der MitarbeiterInnen, wie es in den nächsten Monaten weitergeht, war zumindest mittelfristig mal beantwortet; das Gefühl von Unsicherheit hinsichtlich der Zukunft hatte endlich mal Pause. In der Küche, dem Flohmarkt, dem Lager und im Büro war je eine Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterin angestellt. In unserer Mitarbeiterstruktur, die von einer extrem hohen Fluktuation gekennzeichnet ist, brachten diese vier eine segensreiche Kontinuität.

 

Ist das in diese Stellen investierte Geld wirklich verpufft, wie die HAZ am 17. 7.14 suggeriert? Eine steile These! Der weitaus überwiegende Teil der eingesetzt Mittel kam den Mitarbeitern als Gehaltszahlung zugute, war Vergütung von gewissenhaft geleisteter Arbeit, die wir als Einrichtung und die unsere Besucher sicher nicht missen möchten – und entlastete darüber hinaus die Sozialkassen. Die BIWAQ-Mitarbeiter werden sich sicherlich sehr  über die Frage wundern, ob das eingesetzte Geld verpulvert wurde.

Sicher, auch das Coaching der Mitarbeiter und die Qualifizierungsmodule kosteten Geld. Aber auch wenn keiner mit einem neuen Facharbeiterbrief aus dem Projekt herausgehen wird, ist es wirklich verpufftes Geld, Menschen jemanden zur Verfügung zu stellen, mit dem sie Probleme, die langanhaltende Arbeitslosigkeit mit sich bringt, bearbeiten können? Ein solches zu bejahen, hielten wir schlicht für zynisch.

Noch ist das Projekt nicht beendet und noch ist nicht ersichtlich, wie viele der 20 Mitarbeiter im Gesamtprojekt letztendlich auf dem ersten Arbeitsmarkt unterkommen können. Es deutet sich aber an, dass die Quote bei deutlich über 10 % liegen wird – für Kenner der Scene ein traumhafter Wert.

Die eigentliche Frage geht aber viel tiefer. Ist die ausschließliche Orientierung der Arbeitsmarktpolitik an der Vermittlung von Langszeitarbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt eigentlich Realitätsgerecht? Stempelt es nicht diejenigen, die zwar unzweifelhaft mit zur Gesellschaft gehören aber immer wieder vergessen werden, noch einmal mehr als Verlierer ab, die halt selber schuld sind?

Keine Frage: Sowohl die Gesellschaft als Ganzes als auch wir als Einrichtung, die mit Langzeitarbeitslosen arbeitet, dürfen nicht aufhören zu versuchen Wege in den ersten Arbeitsmarkt zu bereiten. (Und so manches mal – wenn auch viel zu selten – erleben wir hier Entwicklungen, die an ein kleines Wunder grenzen.) Doch auch wenn es schmerzt: Alle, die sich mit der Materie auskennen, wissen, dass es eine Gruppe von Menschen gibt, die schlicht keine Chance auf eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt haben. Die Hintergründe der Betroffenen sind dabei ganz vielfältig. Seien es biographische Brüche, die die Wirtschaft „nicht verzeiht“, seien es Migrationshintergründe mit den entsprechenden sprachlichen Schwierigkeiten oder auch gesundheitliche Probleme - z.B. der Straßenbauer, der sich in der Arbeit seinen Rücken so geschädigt hat, dass er nicht mehr mithalten kann oder auch der ältere Mitbürger, dessen Firma in den Konkurs gegangen ist. Wenn gar mehre dieser sogenannten Vermittlungshemmnisse zusammenkommen, gehen die Möglichkeiten für einen beruflichen Neustart gegen Null. Und dennoch wollen auch diese Menschen arbeiten. Immer wieder steht jemand bei uns im Büro fragt nach, ob wir nicht eine Stelle für ihn oder sie hätten. Es ist einfach so: gesellschaftliche Teilhabe führt über eine sinnvolle Beschäftigung. Daher ist es wesentlich, dass die Politik einen verstetigten öffentlich geförderten Arbeitsmarkt schafft. Die Kosten dafür werden in der Summe nicht sehr hoch sein. Geht es doch darum, statt Arbeitslosigkeit Arbeit zu bezahlen. Und im öffentlichen Interesse liegende Aufgaben, die im freien Markt nicht wahrgenommen werden können, sind genügend zu finden. Viel bedarf es also nicht, lediglich eines: Den Blick auf diejenigen zu richten, die an den Rand der Gesellschaft gerutscht sind und drohen in Vergessenheit zu geraten.

Das BIWAQ Projekt ist sicher nicht das, was wir letztendlich für erforderlich halten. Das BIWAQ Projekt ist aber ein Instrument, welches vor drei Jahren zur Verfügung stand – und es hat segensreich gewirkt: für die Mitarbeiter, die darin beschäftigt sind und für die Menschen, für die die BIWAQ Mitarbeiter gearbeitet haben. Es bleibt Aufgabe für bessere Arbeitsmarktinstrumente politisch zu arbeiten, aber der Realitätssinn gebietet auch, mit dem zu arbeiten, was verfügbar ist: im Interesse der Menschen.

Anschrift

Sozialer Mittagstisch Guter Hirt

Altfriedweg 2-4

31135 Hildesheim

Tel.: 05121 / 52 567

E-Mail: pfarrgemeinde@guterhirt.de

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